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Auch Landy macht Laune
Nicht nur alte Land Rover sind Kult. Auch ein fabrikfrischer Defender 90 ist wesensstark genug, um als unser Auto des Monats vorgestellt zu werden – nach ausgiebiger Behandlung.
Reportage von Torsten Seibt.
Fotos: Karel Sefrna



Manchmal müssen Menschen zu ihrem Glück gezwungen werden. Roland Kilzer führt gemeinsam mit seinem Bruder seit langen Jahren eine BMW-Autohaus im kleinen Städtchen Crailsheim. Zum Ausgleich zu den schnöden Straßenkarossen gönnte sich der Mann schon beizeiten das passende Spielzeug und bohrte vorzugsweise in amerikanischem Schwermetall, made by AMC Jeep, durch die umliegenden Felder und Auen.
Der Griff zum Jeep war nur folgerichtig, was Eingeweihte bei der Erwähnung des Ortes 'Crailsheim' ohnehin erahnen. Wenige Kilometer entfernt und so beschaulich gelegen, dass es im Ort noch nicht einmal Straßennamen gibt, liegt die unter Jeep-Fans wohlbekannte Power-Schmiede von Frieder Schwarz. Mit ihm verbindet Roland Kilzer schon lange eine aufrechte Freundschaft, und auf dem Land kennt sowieso jeder jeden. So fuhr Roland seine meist sehr gelben und sehr leistungsstarken Jeeps spazieren, bis eines Tages BMW den britischen Rover-Konzern schluckte. Das wiederum brachte dem BMW Autohaus Kilzer die Vertragshändlerschaft für die britische Traditionsmarke ein.
Nun schickt es sich nicht, dass Markenhändler mit Produkten der Konkurrenz herumfahren, auch wenn es schon lange keine AMC-Jeeps mehr gibt. Schweren Herzens trennte sich Roland von seinem gelben Scrambler und kuckte sich im hauseigenen Showroom um. Was er dort fand, war ein nicht minder interessantes Fahrzeug: Ein als Vorführwagen erworbener Defender 90 in der damaligen 'Biarritz'-Sonderausführung. Mit schickem Hardtop, schicker Farbe, schicken Felgen. "Und ziemlich unmöglichen Chromstoßstangen und Seitenrohren", wie sich Roland erinnert. Die schraubte er als erstes ab.

Auto des Monats: Defender 90 von Roland Kilzer

Denn, auch das muss gesondert erwähnt werden: Roland ist ein Mann der Tat, er lässt nicht schrauben. Die Mechaniker in der Werkstatt werden mit den Ideen des Chefs nur dann konfrontiert, wenn Roland mit der neuen Umbau-Idee in die Halle kommt und das Werkzeug auspackt. "Ich mache alles selber, schließlich habe ich irgendwann auch mal meinen Kfz-Meisterbrief bekommen", so Roland zur Aufgabenverteilung bei seinem Privatvergnügen. Unternehmerisch ist das durchaus weitsichtig, denn der Vorführ-Landy war nicht lange ein solcher und die bis heute fortgeführten Umbauten hätten manche Mann-Stunde beim Personal gebunden.
Nachdem Roland hier und da die eine oder andere Verbesserung am Biarritz-Defender vorgenommen hatte, ging es so los, wie es in solchen Fällen immer los geht: Der erste Geländewettbewerb, die erste Modifizierung, die nächsten Umbaumaßnahmen. Diese Spirale ist so gut wie nie aufzuhalten. In den seltensten Fällen wird man an dem Punkt angelangen, an dem genug geschraubt und verbessert wurde.

Flotter Feger mit OME Fahrwerk

Also kam nach und nach das komplette Aufgebot an Gelände-Technik in den 90er-TDI: Mit dem "Phase3"-Tuning-Kit von Rinkert wanderten 140 PS in den Motorraum, Kollege Frieder Schwarz lieferte die hauseigenen Achssperren und eine speziell angefertigten Windenbock für die Warn-Seilwinde. ein Außenkäfig aus dem Land-Rover-Zubehörprogramm schützt beim Purzeln und wurde schon ausgiebig getestet. Von Taubenreuther kam neben der Seilwinde auch das OME-Fahrwerk Um auch den Unterbau vor Feinberührung zu schützen, wurden stabile Unterfahr-Bleche montiert, denen auch ein Felsbrocken wenig anhaben kann. Den Auspuff hat der Erbauer in das hintere Radhaus integriert, damit dem Rohr auch bei extremen Geländestrecken nichts passiert. Leistungsstarke PIAA-Scheinwerfer strahlen nicht nur an der Front, sondern können auch das Geschehen hinter dem Wagen beleuchten.

100%: Die Offrotec Sperren

Den Innenraum hat Roland selbst seinen Bedürfnissen angepaßt. Das Armaturenbrett hat er für die Aufnahme verschiedenster Instrumente selbst angefertigt, im Heckabteil ist eine eingepasste Stauraum-Aufteilung installiert. Eine Alukiste unter dem Dach nimmt Gurtzeug und Bergeketten auf, darunter befinden sich Behältnisse für Erdanker, Hijack und ein Reserverad. Für den Defender gab es zusätzlich nur nützliche Dinge, kein Show-Tuning.
Von der Gegensprechanlage über Schalensitze mit Vierpunktgurten bis zum CD-Radio für die lange Fahrt ist alles da, was das Wohlbefinden für Auto und Besatzung auch bei rüden Einsätzen aufrecht erhält.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Schwachstellen des Autos wurden nachhaltig beseitigt: Mit den Schwarz-Sperren wurden die Achsen auf vier Planetenräder umgerüstet. Sie halten nun auch mit der dicken 33er-Bereifung. Andere Trouble-Stellen gab es nicht. Das einzige Problem, das bislang beim umfangreichen Einsatz des 90ers entstand, war ein Verschleißschaden an der Kupplung bei der diesjährigen Rallye München-Breslau. Ein Überschlag anlässlich eines kuriosen Geländerennens in Kroatien brachte dem Defender einige Dellen ein, die flink wieder ausgerichtet waren. Immerhin hat sich seitdem die Frage erledigt, was man dem Auto zumuten will – eine Beule mehr kann jetzt auch nicht mehr schaden. Das ist praktisch, denn die nächsten Wettbewerbe sind schon fest im Visier für das nächste Jahr. Außerdem sieht Land Rover, wer will es leugnen, mit ein paar Kampfspuren erst richtig gut aus. Zumal die hohen, breiten Reifen die Optik des Defender ganz nachhaltig verändern, ansonsten sieht man den Briten ja eher mit schmaleren Standgummis umherfahren.
Der Spaß ist natürlich nicht umsonst, im Vergleich zu anderen Projekten zum "ultimativen 4-Wheeler" aber noch überschaubar – auch dank jeder Menge Eigenleistung. Dabei kommt dem Umbau-Defender natürlich zugute, dass bereits das neue Basisfahrzeug zu den preisgünstigsten Geländewagen in Deutschland zählt.

Schnell drin dank Unterdruck-Steuerung

Roland hat irgendwann zusammengerechnet, was der Land Rover gekostet hat. Als er samt investierter Arbeitszeit und Material sowie dem Basisfahrzeug die sieben vor den vier Nullen passierte, hat er aufgehört zu zählen. Immerhin ist das Hobby und sein Preis noch überschaubar, verglichen mit Rolands Bruder, der mit ihm das Autohaus leitet. Der hat sich nämlich einer Oldtimer-Sammlung verschrieben. Und günstiger ist ein richtig altes Auto bestimmt nicht, vom Spaß im Gelände ganz zu schweigen.
Den bekehrten Land-Rover-Fan Kilzer treibt eine ganz andere Sorge um: Demnächst kommt ein neuer Vorführ-Defender aus der Sonderserie zum 50. Geburtstag der Marke ins Haus. Ein 90er mit V8-Motor und Automatikgetriebe. Da könnte man doch ... schließlich hatte doch auch der Jeep ... "Hoffentlich verstecken die das Auto vor mir", so die nicht ganz ernst gemeinte Bitte von Roland. Vielleicht sehen wir gelegentlich auf diesen Seiten einen wunderschön präparierten Defender 90 wieder. Mit V8 und Automatikgetriebe.

Navigator: Rolands Sohn Christian

Wichtige Modifikationen am Basisfahrzeug (Land Rover Defender 90 TDi)

Motor:
Leistungssteigerung ca. 140 PS
Achsen:
vorne/hinten Schwarz-Sperre 100 %
Fahrwerk:
Höherlegung OME
Bereifung:
33x12,5 R15

Sonstiges:
Überrollkäfig Westfield, Schwellerprotektoren, Ansaugschnorchel, Seilwinde Warn, Schalensitze, Hosenträgergurte, Zusatzscheinwerfer PIAA, Stabilisatoren vorne/hinten, Tripmaster, Lederlenkrad, Gegensprechanlage, Mittelkonsole, Unterfahrschutz Motor/Getriebe, Zusatzinstrumente, Drehzahlmesser, Armaturenbrett (Eigenbau), Kotflügel-Riffelblech, Heckausbau mit Werkzeugkiste, Stauraum für Bergezeug und Ersatzrad.


Reportage von Thorsten Seibt
Fotos: Karel Sefrna

Starker Eindruck: 33er Reifen auf dem Defender